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Gemeinsam für bessere Gesundheitsversorgung im Odenwald

Besiegelt: Die Landräte des Odenwaldkreises und des Kreises Bergstraße, Frank Matiaske (rechts) und Christian Engelhardt, unterzeichnen im Landratsamt in Erbach das gemeinsame Konzept zur Gesundheitsversorgung im Vorderen Odenwald. Hinter ihnen stehen die Erste Kreisbeigeordnete des Kreises Bergstraße, Diana Stolz, und Michael Vetter, Kreisbeigeordneter des Odenwaldkreises. Das Papier trägt auch ihre Unterschrift. Foto: Stefan Toepfer/Kreisverwaltung

Der Odenwaldkreis und der Kreis Bergstraße wollen die Gesundheitsversorgung im Vorderen Odenwald weiterentwickeln und verbessern. Dazu haben die beiden Landräte Frank Matiaske (Odenwaldkreis) und Christian Engelhardt (Kreis Bergstraße) heute im Landratsamt in Erbach ein kreisübergreifendes Konzept unterschrieben.

 

„Damit haben wir gemeinsam eine gute Basis geschaffen, um den großen Herausforderungen begegnen zu können, vor denen die medizinische Versorgung im ländlichen Raum steht“, sagte Matiaske vor allem mit Blick auf den demografischen Wandel und den Mangel an Fachkräften. „Was liegt näher als eine Zusammenarbeit unserer beiden benachbarten Kreise bei dem Thema, das wirklich alle Bürgerinnen und Bürger im täglichen Leben betrifft, der eigenen Gesundheit? Wir können in allen Bereichen immens voneinander profitieren, deshalb wollen wir unser Wissen und unsere Kräfte bündeln“, hob Engelhardt hervor. Unterzeichnet wurde das Papier auch von den jeweils zuständigen Gesundheitsdezernenten, dem Kreisbeigeordneten Michael Vetter (Odenwaldkreis) und der Ersten Kreisbeigeordneten Diana Stolz (Kreis Bergstraße).

 

Seinen Anfang nahm diese Initiative mit einem im Sommer 2016 vom Hessischen Gesundheitsminister Stefan Grüttner initiierten Runden Tisch, dem Vertreter des Ministeriums, der beiden Landkreise sowie der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, Ärzte und Bürgermeister angehörten. Dieser erarbeitete das nun unterzeichnete kreisübergreifende Konzept zur Weiterentwicklung der gesundheitlichen Versorgungsstrukturen im Vorderen Odenwald und übergab es zur Konkretisierung und Umsetzung an eine gemeinsame, sektorenübergreifende Lenkungsgruppe, die aus jeweils vier Vertretern der beiden Landkreise besteht. Sie soll das Projekt in die Tat umsetzen und so die medizinische Versorgung in 14 Kommunen bedarfsgerecht und nachhaltig sichern. Es handelt sich hierbei um Reichelsheim, Fränkisch-Crumbach, Brensbach, Oberzent und Mossautal (Odenwaldkreis) sowie um Fürth, Birkenau, Grasellenbach, Mörlenbach, Wald-Michelbach, Lautertal, Lindenfels, Rimbach und Abtsteinach (Kreis Bergstraße).

 

Am Anfang des Prozesses soll zunächst eine Versorgungsanalyse stehen, um den genauen Bedarf  kreisübergreifender Angebote und Vorgehensweisen zu definieren und gegebenenfalls aufzubauen, zum Beispiel in der bedarfsgerechten Versorgung mit Allgemeinmedizinern und Fachärzten. Auch die Gewinnung neuer Ärztinnen und Ärzte spielt in dem Konzept eine wichtige Rolle. Als mögliche Maßnahmen gelten unter anderem eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, bessere Bedingungen für Niederlassungen und die Unterstützung von Praxisabgaben und -übergaben. Denkbar ist zudem, dass schon bestehende Versorgungsprogramme kreisübergreifend etabliert werden oder neue zu entwickeln, etwa zugunsten chronisch kranker Patienten.

 

Bei Null fängt diese kreisübergreifende Kooperation nicht an, denn ein erstes Projekt gibt es bereits: Vom Herbst dieses Jahres an wollen die beiden Landkreise in der ambulanten Palliativversorgung zusammenarbeiten. Außerdem haben beide Kreise bereits jeweils für sich auf die Veränderungen reagiert, die der demografische Wandel und der Fachkräftemangel mit sich bringen.

 

Zum Beispiel hat der Kreis Bergstraße das „Netzwerk Ortsnahe Versorgung Odenwald“ gegründet. Daran sind  eben jene neun Kommunen beteiligt, denen nun auch das neue Konzept zugutekommen soll. Ziel dieses von der Gesundheitsdezernentin Diana Stolz ausgestalteten Verbundes ist es, mit allen Akteuren vor Ort eine bedarfsgerechte und hochwertige gesundheitliche und pflegerische Gesundheitsversorgung zu entwickeln und langfristig zu sichern. Im Odenwaldkreis wurde gemeinsam mit den Ärzten eine Gesundheitsversorgungskonferenz ins Leben gerufen. Die dort beschlossenen Planungen werden von der Gesundheitsversorgungskooperation (GVK) Odenwald in die Tat umgesetzt.

 

Unter ihrem Dach soll es im Odenwaldkreis fünf regionale Kooperationen geben. Diese örtlichen Verbünde bauen einzelne, interprofessionell arbeitende Gesundheitsversorgungszentren auf. Das erste Zentrum wird von der Gesundheitsversorgungskooperation Oberzent für den Süden des Odenwaldkreises in Beerfelden eingerichtet und noch in diesem Jahr seinen Betrieb aufnehmen. Wie der Erste Vorsitzende der GVK Odenwald, Dr. Alwin Weber, anlässlich der Unterzeichnung des Konzepts hervorhob, spielen alle in dem Papier festgehaltenen Themen in der Gesundheitsversorgung eine relevante Rolle.

 

Außerdem haben beide Landkreise bereits Kampagnen gestartet, um medizinische Fachkräfte zu gewinnen. Ein Weiterbildungsverbund für junge Ärztinnen und Ärzte sowie ein deutschlandweit einmaliges Programm zur Nachwuchsgewinnung schon im Medizinstudium sind im Kreis Bergstraße ganz neu, aber vielversprechend am Start. Im Odenwaldkreis wurde zur Nachwuchsförderung ein Weiterbildungsverbund gegründet, der schon zur erfolgreichen Gewinnung junger Medizinerinnen und Mediziner zur Ausbildung am Gesundheitszentrum Odenwaldkreis, einem Akademischen Lehrkrankenhaus der Universität Heidelberg, geführt hat.

 

Wie wichtig das ist, zeigt schon ein kurzer Blick auf die Zahlen: Zum Beispiel sind laut dem Konzept die Hausärzte in Grasellenbach und Lindenfels 60 bis 65 Jahre alt. Und von den rund 60 Hausärzten im Odenwaldkreis werden allein im Jahr 2020 voraussichtlich 16 in Ruhestand gehen.


07.09.2017

LOGOs: EU Sozialfonds,Hessen und EU Investition in die Zukunft, EFS Für Menschen in Hessen