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Bestnote für Flüchtlingsjungen

Hilft Flüchtlingen: die Sprach- und Integrationspatin Eva Vorster - Foto Stefan Toepfer/Kreisverwaltung

Eva Vorster ist 58 Jahre alt, aber unlängst fühlte sie sich wie eine Schülerin, die aus dem Deutschunterricht stolz mit einer „Eins“ nach Hause gekommen ist. So sehr hatte sie sich für ihren Schützling gefreut, einen Zehnjährigen aus Marokko. Sein Wunsch, in Deutsch die Bestnote zu erreichen, hatte sich erfüllt – dank seiner Wissbegierde und der Unterstützung durch Eva Vorster, die mit dem Jungen intensiv für das anstehende Diktat geübt hatte. „Das ist bisher das größte Erfolgserlebnis für mich“, sagt Vorster, die in Beerfelden wohnt und mehreren Flüchtlingen beim Deutschlernen hilft.

 

Sie gehört zu den Sprach- und Integrationspaten des Odenwaldkreises. Deren Einsatz wird von der Ehrenamtsagentur im Landratsamt koordiniert, in der auch Hiltrud Geyer arbeitet. Sie sucht dringend weitere Ehrenamtliche für diese Aufgabe. „Der Bedarf an Deutschunterricht bei den Geflüchteten ist nach wie vor sehr groß“, sagt Geyer. „Dafür brauchen wir Helfer wie Eva Vorster.“

 

Den Umfang ihres Einsatzes bestimmen die Freiwilligen selbst. Vorster fördert außer dem zehnjährigen Marokkaner auch zwei Syrer und eine Familie aus Eritrea. Ein 23 Jahre alter Mann aus Syrien hat es dank ihrer Hilfe zum Deutsch-Zertifikat B1 geschafft, das ihm fortgeschrittene Sprachkenntnisse bescheinigt. Ein 27 Jahre alter Syrer hatte schon gute Deutschkenntnisse, nur fehlte ihm die Übung beim Sprechen. Vorster macht mit ihm einen Tagesausflug nach Heidelberg, „und schon am Abend hatte er viel mehr Mut, sich auf Deutsch zu unterhalten“. Der Mann würde gerne studieren, auch dabei will sie ihn unterstützen.

 

Für den Unterricht besucht sie die Flüchtlinge in deren Wohnungen. So will sie es auch bei der vierköpfigen eritreischen Familie machen, zu der sie erst jüngst Kontakt aufgenommen und der sie nach Rücksprache mit der Ehrenamtsagentur ihre Hilfe angeboten hatte. Wichtig sind ihr regelmäßige Treffen. „Ich komme meist einmal in der Woche zu den Flüchtlingen.“ Konsequent arbeitet sie mit ihnen die Lernmaterialien durch, die sie haben. Sie hilft aber auch anderweitig, zum Beispiel indem sie Schreiben einer Behörde erläutert.

 

Nach wichtigen Grundhaltungen für ihre Arbeit gefragt, nennt sie zuerst diese: Verständnis für die Geflüchteten mitzubringen. Das hatte Vorster schon vor ihrer Tätigkeit als Sprach- und Integrationspatin an den Tag gelegt. Sie gehörte 2015/2016 zu den Helfern in der großen Flüchtlingsunterkunft, die es in Michelstadt gab – zunächst ehrenamtlich als Übersetzerin, dann als Mitarbeiterin des Deutschen Roten Kreuzes, das die Unterkunft betrieben hatte. Zu einigen Flüchtlingen, die dort untergebracht waren, hat sie bis heute Kontakt, auch wenn sie mittlerweile in Nordhessen leben.

 

Eva Vorster kam im Jahr 2001 aus Südafrika nach Deutschland. Seit zehn Jahren lebt sie im Odenwald. Bis zu ihrem Vorruhestand im Jahr 2015 hat sie als IT-Spezialistin in einer großen Softwarefirma gearbeitet. Seither ist sie in der Flüchtlingshilfe tätig. Ihrer Auffassung nach haben Geflüchtete gerade in kleineren Städten oder Dörfern bessere Chancen, integriert zu werden, weil sie dort eher Deutsch sprechen müssen als in großen Städten, wo sie auf viele Landsleute treffen und sich in ihrer Muttersprache verständigen können. Vorster kann von etlichen Beispielen berichten, die das belegen.

 

Auf ihre Aufgabe als Sprach- und Integrationspatin vorbereitet hatte sich Vorster in einem Kurs „Lernbegleiter für Flüchtlinge“. Einsatzmöglichkeiten hatte die Ehrenamtsagentur schnell parat. Was Eva Vorster an ihrer Arbeit gefällt, ist neben dem intensiven Kontakt zu Menschen die Gewissheit, mit ihrem Einsatz sehr viel erreichen zu können.

 

Wer sich für ein Engagement als Sprach- und Integrationspate interessiert, kann sich an Hiltrud Geyer von der Ehrenamtsagentur des Odenwaldkreises wenden. Sie hat die Telefonnummer 06062 70-127 und die Mailadresse h.geyer@odenwaldkreis.de.

 


14.07.2017

LOGOs: EU Sozialfonds,Hessen und EU Investition in die Zukunft, EFS Für Menschen in Hessen